Blasenstein: Diesen Monat wurden
uns innert einer Woche zwei Hunde und eine Katze mit der gleichen
Problematik vorgestellt.
Fall 1
Hund „Chicco“, Mischling, männlich kastriert,
5 Jahre
Vorbericht:
Seit gestern abnormales Verhalten beim Harnabsatz, hebt dauernd
das Bein, obwohl gar nichts kommt...die Besitzer vermuten,
dass der Hund nicht urinieren kann.
Untersuch:
T. 39.3 (= leicht erhöhte Temperatur), Allgemein-Zustand
gut, Blase nicht tastbar, da sehr klein und leer.
Harnuntersuch (Spontanharn): rote und weisse Blutkörperchen
im Harn, pH-Wert im alkalischen Bereich, nach Zentrifugieren
sandiges Sediment mit massenhaft Struvitkristallen- Struvitsteinchen.
Diagnose:
Blasenentzündung mit starkem Harndrang infolge Struvitsteinchen
(Struvit-Urolithiasis)
Fall 2
Hund „Ana“, Hirtenhund, weiblich,
6 Monate
Vorbericht:
seit einigen Tagen zum 1.mal läufig mit starkem blutigem
Scheidenausfluss, ist seit Beginn der Läufigkeit nicht
mehr „sauber“, muss dauernd und relativ grosse
Mengen Urin absetzen. Allgemein-Zustand leicht reduziert,
frisst nicht so recht, trinkt viel, Besitzer vermutet, dass
alles im Zusammenhang mit der Läufigkeit ist?
Untersuch:
T. 39.4, Scheide geschwollen mit klaren Anzeichen einer Läufigkeit,
Bauch beim Durchtasten schmerzhaft
Harnuntersuch (Spontanharn): viel Blut (Läufigkeit),
pH-Wert im neutralen Bereich, nach Zentrifugieren massenhaft
Struvitkristalle im Sediment.
Diagnose:
Blasenentzündung mit Beteiligung von Struvitkristallen
Fall 3
Katze “Chinook”, Siamese, männlich kastriert,
7 Jahre
Vorbericht:
Der ziemlich übergewichtige Kater zeigt immer wieder
anfallsweise auftretender Harndrang und Harnabsatz in dieBadewanne.
Dabei ist der Harn oft rot verfärbt. Heute wird er vorgestellt,
weil er zusätzlich starke Schmerzen zeigt, dauernd versucht
zu pinkeln und ausser einigen roten Bluttröpfchen gar
nichts kommt. Er ist unruhig, frisst nicht, hat Bauchschmerzen
und wird zunehmend apathisch.
Untersuch:
T. 38.9 (normal), stark gespannter Bauch mit prall gefüllter
Blase. Beim Abtasten des Bauches zeigt der Kater deutliche
Schmerzen.
Behandlung:
Dem Kater wird unter Narkose die Harnröhre kathetrisiert
und die Blase gespült. Im Harnuntersuch können viele
Struvitsteinchen festgestellt werden, welche die lange und
enge Harnröhre des Katers verstopft hatten.
Im Gegensatz zu Fall 1und 2 hat die gleiche Ursache hier zu
einer Verstopfung der Harnröhre (Obstruktion) mit Struvitsteinchen
geführt.
Blasensteine (auch Urolithen genannt) sind Ansammlungen mineralhaltiger Kristalle, die in der Harnblase auftreten können. Obwohl ähnliche Steine auch in anderen Organen (z.B. in den Nieren) gebildet werden können, sind bei Hund und Katze mehrheitlich Steine in der Blase anzutreffen.
Faktoren, welche die Bildung von Blasensteinen beeinflussen:
–
Harnwegsinfektionen: Bakterien lassen den pH-Wert im Harn ansteigen, was die Bildung von Kristallen und Steinen begünstigt
–
Futtermittel, die einen hohen Calcium-, Phosphor- und Magnesiumgehalt aufweisen, begünstigen die Bildung bestimmter Kristalltypen
–
Eine geringe Wasseraufnahme bewirkt eine stärkere Konzentration des Urins und erhöht so die Wahrscheinlichkeit der Steinbildung
–
Manche Rassen neigen zu Blasenstein-Erkrankungen
–
Hündinnen neigen eher zu Struvitsteinen als Rüden
Symptome bei Blasen-Erkrankungen:
–
„Reizblase“ mit vermehrtem Harnabsatz
–
Erschwerter und langsamer Harnabsatz
–
Schmerzäusserung beim Harnabsatz
–
Inkontinenz
–
Blut im Harn
Diagnose von Blasenerkrankungen:
–
Harnuntersuch: Im Harnuntersuch werden bakterielle Infektionen, Kristallbildung, pH-Wert und Zellen untersucht.
–
Röntgenaufnahmen und Ultraschall: Blasensteine können visuell dargestellt werden und erlauben die richtige Wahl der weiteren Behandlung.
–
Steinananlyse: Die exakte Analyse der Steinzusammensetzung ist wichtig für die Wahl der richtigen Diät.
Behandlung von Blasensteinen:
Je nach Steintyp und Anzahl der Steine stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:
–
chirurgisches Entfernen der Blasensteine
–
Antibiotika-Behandlung
–
Spezifische Diät zur Auflösung von Steinen und Verhinderung von Neubildung