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  11 Fehler bei der Schildkröten-Haltung

Die Landschildkröte gehört zu jenen Reptilien, welche uns weitaus am häufigsten in der Sprechstunde vorgestellt werden. Sehr häufig leiden die Tiere an Erkrankungen, welche als Folge falscher Haltung entstanden sind. Einige Fehler werden immer wieder begangen. Die 11 wichtigsten möchten wir Ihnen daher hier vorstellen:

1. Schildkröten gehören nicht auf den Fussboden
Eine angemessene Haltung von Landschildkröten kann nur in einem sehr grossen Freilandgehege erfolgen, welches abwechslungsreich, d.h. mit Sonnen- und Schattenplätzen, Wurzeln, Gestrüpp, verschieden gestalteten Bodenbelägen aus Erde, Sand und Stein und einer Schutzhütte mit Laub oder Stroh als Versteck und Wärmeisolation gestaltet ist.
In der Uebergangszeit sollten Landschildkröten in einem Zimmerterrarium gehalten werden, in welchem ein „Sonnenplatz“ mittels eines Wärmestrahlers angeboten werden muss, da die Lebensvorgänge der Tiere erst bei Temperaturen im Bereich von 30-35°C optimal ablaufen können. Künstliches Licht ersetzt natürliches Sonnenlicht nicht. Auch ein Aufstellen des Terrariums am Fenster ist nicht ausreichend, da die Schildkröten durch die Scheibe nur sehr wenig UV-Licht zur Bildung von Vitamin D3 aufnehmen können, welches die Tiere für einen normalen Stoffwechsel benötigen. Aber ebenso wichtig sind kühlere Rückzugsmöglichkeiten, wo sich die Tiere bei Bedarf eingraben können. Es ist also kaum möglich, den Schildkröten die nötigen mikroklimatischen Umweltbedingungen zu bieten, wenn sie „frei“ in der Wohnung gehalten werden. Ausserdem ist die Unfallgefahr infolge Herunterfallen, Einklemmen relativ gross. Ebenso sehen wir immer wieder Schildkröten, die von anderen Haustieren, vor allem von Hunden, als Spielzeug oder als Kauknochen arg missbraucht wurden.

2. Katzenstreu eignet sich nicht für Schildkröten
Immer wieder werden uns Schildkröten mit Verstopfung vorgestellt. Oft sind die Tiere auf vollkommen ungeeignetem Boden gehalten worden. Katzenstreu, Vogelsand oder Kies wird von den Tieren oft aufgenommen, kann nicht verdaut werden und sammelt sich im Darm an. Es kommt zu Verstopfung bis zu Darmverschluss und kann zum Tode führen. Auch Torf ist ungeeignet, da er, einmal ausgetrocknet, sehr schlecht wieder Feuchtigkeit aufnimmt und leicht staubt, was zu chronischen Atemwegserkrankungen führen kann.
Am besten als Substrat eignet sich Erde, natürlich frei von Pflanzenschutzmitteln und Dünger. Sie wird problemlos ausgeschieden und liefert zudem wertvolle Mineralien.
Dass jede Einstreu regelmässig gewechselt werden sollte, damit sich keine Pilze und Parasiten breit machen können, versteht sich von selbst.

3. Zu Ballaststoffarme und zu eiweissreiche Fütterung schadet
Meistens werden die Landschildkröten zu ballaststoffarm und zu eiweissreich gefüttert. Tierische Proteine inform von Katzenfutter gehören nicht auf den Speiseplan einer Schildkröte! Dafür viel und gutes Heu, frische Kräuter (Thymian, Rosmarin, Salbei, Peterli,etc.), Gurke, wenig Früchte und Calcium inform von Sepia-Schalen oder Eierschalen. Einen geringen Anteil an tierischem Eiweiss besorgen sich die Tiere im Freilandgehege durch die Aufnahme von Schnecken und Regenwürmer selbst.
Die im Handel erhältlichen Alleinfutter für Schildkröten (dabei wird oft nicht zwischen Landschildkröten und fleischfressenden Wasserschildkröten unterschieden) sind meistens viel zu Eiweissreich und dürfen daher nur ganz begrenzt gegeben werden!

4. Auch Landschildkröten brauchen Wasser
Landschildkröten nehmen die benötigte Menge Flüssigkeit über das Futter, über die Haut und selten aus ihnen angebotenen Wassergefässen auf. Wildlebende Tiere suchen schattige und feuchte Plätze auf und graben sich dort ins feuchte Erdreich ein, was sich auf ihr ganzer Wasserhaushalt und die Form und Oberflächenstruktur des Panzers positiv auswirkt.
Wir empfehlen, die Tiere öfters zu baden, vor allem bei trockener Witterung, da viele Tiere nur beim Baden ausreichend trinken. Das Baden regt auch die Verdauung an, so dass überschüssige Harnsäure aus dem Körper entfernt und nicht in Organen eingelagert wird. Gicht ist eine weitverbreitete Krankheit und kann für die Tiere tödlich sein.

5. Der Panzer braucht keine Kosmetik
Der Panzer ist ein lebendes Gewebe. Eine Fettschicht auf den Hornplatten verhindert, dass Feuchtigkeit von aussen eindringen kann. Ein natürlicher Abrieb erfolgt durch Kontakt mit Stroh und Pflanzen. Das Oelen und Fetten des Panzers ist nicht nur unnötig, es schadet den Tieren mehr als das es nützt.

6. Falsche Ueberwinterung
Landschildkröten sollten bei 4-8°C überwintert werden. Das Substrat kann aus Moos, Laub oder Stroh bestehen. Etwa alle vier bis acht Wochen empfiehlt es sich, die Tiere zu wiegen. Nimmt ein Tier mehr als zehn Prozent seines ursprünglichen Körpergewichtes ab, so ist das ein Hinweis, dass irgend etwas nicht stimmt. Entweder ist das Substrat zu trocken, die Temperatur zu hoch oder das Tier ist krank.
Die Ueberwinterung im Freiland ist recht problematisch. Einerseits fehlt die Kontollmöglichkeit. Anderseits kann die Schildkröte durch Ratten böse zugerichtet werden. Warmwetterphasen während des Winters stellen für die Tiere eine Gefahr dar; Die Tiere kommen dann an die Oberfläche, werden nachts vom Nachtfrost überrascht oder verbleiben in einem Zustand von Schläfrigkeit, indem sie –im Gegensatz zur richtigen Winterruhe- zuviel Fett abbauen, was zu einer nachfolgenden Leberstörung führen kann.
Auch Jungtiere sollten unbedingt für eine gewisse Zeit in Winterruhe versetzt werden. Sie ist wichtig, um ein zu rasches und ungesundes Wachstum zu vermeiden.

Weitere Tips zur Überwinterung gibt Ihnen gerne unsere „Schildkröten-Spezialistin“, Frau Ulrich (Tel. 062 962 25 72).

7. Viele Schildkröten haben Parasiten
Wildlebende Schildkröten kommen sehr wohl mit ihren Parasiten zurecht, da sie sich adäquat ernähren und ihr Immunsystem effizient reagieren kann. In einem eingeengten Lebensraum ist der Infektionsdruck jedoch um ein Vielfaches grösser.
Am häufigsten nachweisbar sind Pfriemenschwänze (Oxyuriden) und Spulwürmer (Ascariden). Auch Flagellaten (Hexamita spp.) und Kokzidien kommen vor. Bei einem Wurmbefall zeigen erwachsene Tiere oft keine Symptome. Bei Jungtieren kann es zu schlechtem Wachstum und Apathie kommen.
Gegen Einzeller sind andere Medikamente wirksam als gegen Rundwürmer. Deshalb empfehlen wir eine parasitologische Untersuchung des Kotes vor einer Entwurmung.

8. Neu erworbene Tiere gehören in Quarantäne
Auch äusserlich gesunde Schildkröten können Träger von Krankheiten und Parasiten sein. Besonders gefürchtet ist das Herpes-Virus , das ganze Bestände innert kurzer Zeit dahinraffen kann. Tiere, welche eine Herpesinfektion überlebt haben, sind meist symptomfrei, sind aber lebenslang Träger und Ausscheider des Virus. Es ist wichtig, jedes neu erworbene Tier für mindestens ein halbes Jahr separat zu halten. Sehr vorsichtige Schildkrötenhalter lassen sogar das Blut von jedem neu erworbenen Tier auf Herpes-Virus-Antikörper und auf Nieren- und Leberfunktionen untersuchen.

9. Zu warm gehaltene Jungtiere
Junge Schildkröten sind von ihrem ganzen Stoffwechsel her auf schnelles Wachstum ausgerichtet. Es ist aber viel gesünder, wenn sie dies nicht all zu schnell machen. Mit zu eiweissreiches Futter (im Handel erhältliches Aufzuchtfutter)besteht die Gefahr, dass die Tiere regelrecht gemästet werden, was zu Panzerdeformation und Organschäden führen kann. Man sollte den Tieren auch nicht eine permanent optimale Umgebung anbieten. Genau wie ihre erwachsenen Artgenossen sind sie ja in der Natur den klimatischen Veränderungen ausgesetzt. Kühle Phasen geben dem Körper die Gelegenheit, eine kleine Ruhephase zwischen zwei Wachstumsphasen zu legen, was für ein geregeltes Wachstum ganz wichtig ist.
Zu schnell gewachsene Tiere leiden an Panzerdeformationen, Rachitis, Nierenproblemen, werden zu früh geschlechtsreif und leiden auffallend häufig an Legenot.

10. Schildkröten sind stressanfällig
Schildkröten sind eigentlich Wildtiere und sollten auch so behandelt werden. Auch wenn es aussieht, als ob nichts eine Schildkröte aus der Ruhe bringen könnte, sind sie sehr stressanfällig. Sie sind also kein Kinderspielzeug und kein Kuscheltier. Aber auch im Freiland gehaltene dominante oder sexuell sehr aktive Männchen können für die belästigten Tiere innerhalb einer Gruppe ein grosser Stressfaktor bedeuten.

11. Kranke Tiere gehören zum Tierarzt
Bis man sieht, dass eine Schildkröte wirklich krank ist, ist es oft schon zu spät für eine erfolgreiche Behandlung. Wenn eine Schildkröte nur noch ein bestimmtes Futter frisst, beim Baden auffällig viel trinkt, die Kot- oder Urinbeschaffenheit verändert ist, Nasenausfluss auftritt, das Tier die Augen nicht offnet oder die Besonnung meidet, sollte schnell ein mit Schildkröten vertrauter Tierarzt aufgesucht werden.

 
     

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